Aus für Open Sea Cruise

Gay Kreuzfahrten

Das Konzept Open Sea Cruise ist gestorben.
Der Veranstalter der Open Sea Cruise 2018, Dreamlines, bestätigte mir, dass es keine weitere Open Sea Cruise geben wird.
Die Gay Kreuzfahrt 2018 sei eine einmalige Sache gewesen.

Das hat sich ursprünglich noch ganz anders angehört:
Während der Open Sea Cruise 2018 wurden vollmundig mehrere weitere Gay Kreuzfahrten angekündigt.
Anfang 2019 wurde sogar eine Vorregistrierung für die nächste Open Sea Cruise gestartet.
Seit Frühjahr 2019 hieß es dann auf der Open Sea Cruise Homepage, dass es nicht möglich gewesen wäre, ein Schiff für die schwule Kreuzfahrt zu bekommen.
Gleichzeitig wird dort versichert, dass man daran arbeitet, für 2020 eine Kreuzfahrt anzubieten.
Wie wir jetzt wissen, wird es dazu nicht kommen.

Keine guten Nachrichten für schwule Kreuzfahrtfans

Für schwule Kreuzfahrtfans aus dem deutschsprachigen Raum ergibt sich damit eine höchst ärgerliche Situation.
In den Jahren 2017 und 2018 versuchten sich diverse Anbieter an Gay Kreuzfahrten für das deutsche und europäische Publikum.
Doch keiner ging die Sache professionell an, und alle hatten einen zu kurzen Atem.

2017 veranstalteten TUI mit der Rainbow Cruise und das blu Magazin mit der mCruise gleich 2 schwule Kreuzfahrten.
So nahmen sie sich gegenseitig die Gäste weg und keine konnte ein Erfolg werden.

TUI ist seitdem in Sachen schwule Kreuzfahrten komplett untergetaucht.
Von mCruise wurde Ende September 2018 eine Gay Cruise für 2019 angekündigt, die nur eine Woche später wieder zurückgezogen wurde, weil das Schiff in der fraglichen Woche gewartet werden müsse.
Hätte man das nicht früher wissen können?
Zuletzt glänzte mCruise lediglich noch damit, Werbematerial für nicht-schwule Luxuskreuzfahrten an seine Gäste zu verschicken.

Auch die Open Sea Cruise war von Anfang an nicht professionell aufgestellt.
Erst im Frühjahr 2018 ging man mit dem Konzept an die Öffentlichkeit, etwa ein halbes Jahr vor der Kreuzfahrt.
Für ein neues Konzept eine viel zu kurze Zeit, um es bekannt zu machen.

Die letztendliche Konsequenz war, dass alle 3 Anbieter – TUI, mCruise und Open Sea Cruise – ihre Kabinen am Ende zu Schleuderpreisen verkaufen mussten.

Durchhaltevermögen fehlte bei allen Anbietern

Kein Anbieter hat damit das Durchhaltevermögen, auf dem europäischen Markt Gay Kreuzfahrten mehrere Jahre hintereinander anzubieten, um sich ein Stammpublikum zu schaffen.
Das ist schade.
Was möglich ist, wenn man diese Anlaufzeit in Kauf nimmt, zeigen die Angebote von Atlantis Events und La Demence:

Atlantis Events veranstaltet dieses Jahr 2 Kreuzfahrten in Europa, einmal von Amsterdam nach Barcelona und einmal von Rom über die Kykladen nach Venedig.
Bei beiden Gay Cruises waren sämtliche Balkonkabinen schon in der Vorausbuchungsphase für Stammkunden ausverkauft.
Erhältlich sind im freien Verkauf nur noch Innen- und Außenkabinen, und auch die werden langsam knapp.
Beides sind eher hochpreisige Kreuzfahrten von 10 bzw. 11 Tagen.
Sie entsprechen damit sicherlich nicht dem Geschmack eines jeden schwulen Kreuzfahrt-Gasts.

La Demence ist dieses Jahr schon zum 10. Mal mit einer schwulen Kreuzfahrt unterwegs und hat sie seit Monaten zu über 90% ausverkauft.
Für die Gay Cruise von 2019 war das Schiff sogar innerhalb weniger Stunden nach Öffnung der Buchung für alle voll.

Eine professionelle europäische schwule Kreuzfahrt hätte genügend Gäste

Diese Beispiele zeigen:
Am europäischen Kreuzfahrtmarkt ist mit schwulen Kreuzfahrten durchaus Geld zu verdienen.
Nämlich dann, wenn man ein professionelles Konzept hat und das Durchhaltevermögen, sich über die ersten Jahre ein Stammpublikum aufzubauen.
Natürlich: Eine Gay Kreuzfahrt ist ein finanzieller Kraftakt.
Ein Vollcharter eines Kreuzfahrtschiffs liegt im Millionenbereich.
Doch warum kocht hier jeder sein eigenes Süppchen und kommt mit einem unausgegorenen einmaligen Konzept, das sofort wieder eingestellt wird?
Warum bündeln die verschiedenen Teilnehmer nicht ihre Kräfte, verteilen so das Risiko und nutzen ihre jeweiligen Stärken, um zusammen etwas für das schwule Publikum anzubieten?
Es wäre wirklich sehr wünschenswert, dass sich hier in den nächsten Jahren noch einmal etwas tut.

Bis dahin bleibt den schwulen Kreuzfahrtbegeisterten nur die Möglichkeit, Atlantis Kreuzfahrten zu buchen.
Und diese sind ja auch toll.
Atlantis Kreuzfahrten sind extrem professionelle Gay Cruises, die ich sehr gerne und oft an meine Gäste vermittle.
Ich selbst durfte letztes Jahr die Mittelmeercruise erleben und habe eine einmalige Woche auf einem tollen Schiff mit unglaublichen Shows und Parties verbracht.
Die Übersicht über alle Atlantis Kreuzfahrten findest du hier.

Deine Meinung interessiert mich

Jetzt interessiert mich deine Meinung:
Warum haben die Konzepte für eine weitere Gay Cruise in Europa bisher nicht funktioniert?
Was würdest du dir von einer schwulen Kreuzfahrt wünschen?
Welche Anregungen hast du für Anbieter, die es in Zukunft versuchen?
Wie würde deine ideale Gay Cruise aussehen?

Bitte schreibe deine Meinung unten in die Kommentare zu diesem Artikel!

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6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo lieber Stefan,

    erstmal vielen Dank für deine Mail.
    Mein Partner und ich und auch 4 weitere Gäste der Gay-Cruise 2018 finden es sehr schade, dass das „Projekt“ nun leider völlig gestorben ist. Woran hats gelegen ? Was war schief gelaufen ? Die Kosten ? Fehlkalkulationen ? Sowas passiert beim ersten Mal.
    In anderen Ländern mit anderen Reedereien klappt es doch auch.
    Wäre ein anderer Veranstalter vielleicht schon die Lösung ?
    Wir wären gern bereit auch mehr als 800,–€ p. P. zu zahlen. Es muss ja nicht immer alles über die Billig-Schiene laufen.
    Eine Woche auf „Mein Schiff“ gibt es auch nicht mehr zu dem Preis.
    Über eine Antwort würden wir uns freuen.
    Gruß

    Antworten
    • woran es gelegen hat, hat man mir bei Dreamlines leider auch nicht mitgeteilt.
      Das finanzielle Risiko für den Vollcharter eines Schiffs liegt im Millionenbereich und nachdem man die Kabinen größtenteils zum Billigpreis rausgeben musste, gab es sicherlich einen hohen Fehlbetrag bei der Cruise 2018.
      Trotzdem denke ich, dass das Projekt langfristig ein Erfolg hätte werden können, wenn man mehr Durchhaltevermögen gezeigt hätte.

  • Hallo Stefan,

    als nur gelegentlicher Kreuzfahrer, der gern die Nischen nutzt, mal mein Kommentar dazu:

    2017 gab es die wunderbare MCruise, der sicher noch die meisten Teilnehmer nachtrauern, dass es bislang keine Fortsetzung gab.

    Dass MCruise sich DER-Tour als Abwickler ins Boot geholt hatte, war gut und richtig! Und ich glaube, man hatte den mitteleuropäischen Nerv getroffen!

    Ein kleines Schiff, man kannte sich schnell schon vom Sehen. Ein ordentliches Bordangebot mit einem stimmigen Preis-Leistungsverhältnis. Wer was sehen wollte, bekam perfekte Tagesausflüge mit fantastischen Guides! Für einen Preis ab weit unter 900 euro auch ein niveauvolles gastronomisches Angebot.

    Noch heute steht auf der damaligen homepage, dass die Verhandlungen für die Spartacus Cruise 2020 in der Endphase sind. Dran glaubt nun niemand mehr, zumal inzwischen an Ex-Kunden Werbebrief mit anderen Angeboten verschickt werden.

    Dreamlines hatte sich mit der Open Sea Cruise schon etwas höherwertiges ausgesucht, dennoch aus meiner Sicht grenzwertig teuer. Es ist nunmal nur einer relativ kleinen Klientel vorbehalten, sich im Preisniveau der Axel-Hotel-Group zu tummeln. Eine stimmige neue Tour hätte mich trotzdem gereizt.

    Atlantis ist sicher immer eine Empfehlung wert. Hochwertig in allen Belangen, da gibt’s nix zu meckern. Aber auch American Lifestyle pur. Muss man wirklich mögen.

    Eher nichts für meine rheinländische offenherzige Mentalität!

    La Demence trifft mit der Cruise den Nerv der Partypeople. Mit der Erhöhung der Kapazität von 2500 auf 3500 Pax stößt man offensichtlich auch hier an die Grenzen, mit 93% ist man immer noch nicht „sold out“. Mit jeder Nacht exzessiven Parties bis zum Frühstück verschreckt man eher das ruhigere Clientel. Ich checke das diesen Sommer mal selber! Die extreme Multinationalität und Lockerheit an Bord reizen mich schon, mal schaun, was es für Ausflüge und Shows gibt. Ich glaube, das ist so ein Schiff, das man entweder liebt oder hasst.

    Ich denke ein europäisches Nischenprodukt für Schwules Publikum, welches jung und nicht so szeneaktiv oder etwas ruhiger und älter ist, braucht etwas so wie eine MCruise plus!

    Ein kleines Schiff mit max. 1200 Pax, welches dann auch kleiner Häfen anlaufen kann, zB entlang der Südküste Spaniens oder ital. Rievera. Ein mittelpreisiges Gastro-Angebot, dass Studenten und nicht so betuchte Rentner sich das leisten können, die AIDA und Co aber nicht wollen wegen Familienüberflutung! Kurze Fahrtstrecken ermöglichen ausführliche Landgänge (wie auf der MCruise). Themenparties sind neben Shows immer nett. Für die Nachtraben einer schwulen Kreuzfahrt gehört zumindesten eine kleine Disco dazu, die nicht um 2 uhr die Schotten dicht macht, und – ob man es mag oder nicht – ein gescheiter darkroom anstatt eines beleuchteten FKK-Decks…. Schließlich will man ein breiteres Publikum ansprechen, um so ein Schiff auch voll zu bekommen.

    Und wenn sich blue media group und Spartacus für führende gay medien halten, dann halte ich das für Schnee von gestern. Gezielte Seiten auf Facebook und Insta neben der eigenen homepage und Plakatwerbung in der Szene sind angesagt.

    Ich glaube, dass die bisherigen Macher von MCruise bis OpenSea nicht aus Kundensicht gehandelt haben und deshalb vom Markt sind.

    Kölsche Grüße Utz

    Antworten
  • Rolando Ser Ghisleni
    28. Januar 2020 14:38

    Ich denke das Spektrum dürfte weit oder breit-gefächert genug sein, doch wünschte ich mir preiswertere Reisen, die modulartig aufgedeckt werden können, wenn dies gewünscht ist…also günstiges Basisprogramm welches individuell erweiterbar wäre…

    Antworten
  • Als „Einsteiger“ dürfte es für mich nicht zu teuer sein. Ich möchte ja ausprobieren, mit WEM ich unterwegs bin – also MEIN Hauptaugenmerk läge erst einmal bei der Auswahlmöglichkeit der Mittreisenden ☺️

    Antworten
    • Was meinst du mit Auswahlmöglichkeit der Mitreisenden?
      Eine echte Gay Kreuzfahrt auf einem großen Schiff besteht ja aus 1.000 bis 5.000 Schwulen, die normalerweise das ganze Spektrum des schwulen Lebens abbilden.

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